Gibt es eine Rheuma-Diät?

Composition of fruits and vegetables in wicker basket

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Ursprünglich verstanden die Griechen unter dem Begriff „Diät“ keine Gewichtsreduktion, sondern die allgemeine Lebensführung. Für Rheumatiker wird heute daraus ein Konzept, das neben  Essen und Trinken auch das Nichtrauchen, Zahnhygiene, Stressmanagement und Bewegung umfasst.

Alle diese Maßnahmen haben ein gemeinsames Ziel: die Minderung der Entzündungsaktivität. Bei der Entzündung handelt es sich per se um einen lebenswichtigen Vorgang, mit dem unser Immunsystem ständig Eindringlinge wie Bakterien, Viren und Pilze abwehrt oder die Heilung von Verletzungen anstößt. Hält der Zustand einer Entzündung allerdings an, d.h. die Entzündung wird chronisch, kann auch gesundes Gewebe angegriffen werden. Die Folge: Entzündungen der Gelenke, der Haut (Schuppenflechte, Neurodermitis), des Darms (Morbus  Crohn, Colitis ulcerosa), der Gefäße und des Herzens (Vaskulitis, Atherosklerose, Herzinfarkt), des Gehirns (Alzheimer, Parkinson), der Lunge (Asthma) und des Zahnfleischs (Parodontitis).

Während in den vergangenen 100 Jahren Infektionserkrankungen abgenommen haben, sind chronische Entzündungserkrankungen dramatisch auf dem Vormarsch. Da sich unser Erbgut in diesem Zeitraum nicht wesentlich verändert hat, müssen andere Faktoren  hinzukommen, die uns krank werden lassen. Als „Hauptverdächtige“ machen die Entzündungsforscher unsere modernen Lebens- und Ernährungsgewohnheiten verantwortlich.

Der „gemeinsame Nenner“ vieler Erkrankungen scheint also die Entzündung zu sein. Das erklärt auch, warum Patienten mit Schuppenflechte oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Gelenkprobleme bekommen können und warum alle von chronisch entzündlichen Erkrankungen betroffenen Patienten präventive Maßnahmen zum Schutz vor Herzkreislauferkrankungen ergreifen oder auf eine gute Dentalhygiene achten sollten – um nur einige zu nennen. Und zu guter Letzt: Die Entzündung ist auch maßgeblich an Alterungsvorgängen beteiligt.

Entzündung und chronische Erkrankungen

Chronische Entzündung - wie ein schwelendes Feuer © dmitrydesigner - Fotolia.com

Chronische Entzündung – wie ein schwelendes Feuer
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Die chronische Entzündung rückt immer mehr in den Fokus des wissenschaftlichen Interesses: Im Jahre 2007 erklärten die Bundesregierung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Entzündungsforschung zum wissenschaftlichen Schwerpunkt in Deutschland. Sie ernannten das schleswig-holsteinische „Netzwerk Entzündungsforschung“ zum nationalen „Exzellenzcluster Entzündungsforschung“. Am 15. Juni 2012 gab die DFG bekannt, dass der Exzellenzcluster „Inflammation at Interfaces“ für weitere fünf Jahre gefördert wird.

„Ziel des Exzellenzclusters Entzündungsforschung ist die Entschlüsselung der molekularen Grundlagen chronisch entzündlicher Krankheiten sowie die vollständige Identifikation von Stoffwechsel- und Signalpfaden als Ansatz für Therapien und Prävention.

Der Cluster ist eine gemeinsame Unternehmung der Universitäten zu Kiel und zu Lübeck zusammen mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, dem Leibniz Forschungszentrum Borstel und dem Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie, Plön sowie der Muthesius Kunsthochschule Kiel“ .

Fettzellen heizen die Entzündung an

Stark übergewichtige – vermeintlich gesunde – Personen haben bei Laboruntersuchungen oft erhöhte Entzündungsmarker (z. B. das C-reaktive Protein CRP)), die mit Symptomen eines metabolischen Syndroms einhergehen.

metabolisches Syndrom IDF

Zusätzliche Polster in der Körpermitte stellen nicht nur ein kosmetisches Problem dar. Die Adipozyten (häufigster Typus der Fettzellen) produzieren verschiedene stoffwechselaktive und entzündungsfördernde Substanzen – unter anderem die sogenannten Adipo(zyto)kine (Resistin, Leptin, Visfatin u. a.) und die Zytokine Tumornekrosefaktor-alpha, Interleukin (IL)-1 und IL-6. Im Körper übergewichtiger Menschen gibt es daher häufig chronische Entzündungen.

Auch die Insulinresistenz und der Diabetes (erstes Anzeichen: der erhöhte Nüchternzuckerwert (s. o.) sind in engem Zusammenhang mit entzündlichen Vorgängen zu sehen. In den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse findet man neben anderen entzündungsfördernden Botenstoffen das Interleukin-1β, das auch maßgeblich an der Zerstörung von Knochen und Knorpel bei Gelenkentzündungen beteiligt ist. Ein zu hoher Blutzuckerspiegel konnte bereits bei Gesunden proinflammatorische Mechanismen in Gang setzten.

Pflanzenkost mit gesunden Extras

Obst und Gemüse sind gesund – das ist eine alte Weisheit. Aber warum sind sie gesund? Wegen ihrer Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe? Ja klar, aber auch wegen ihrer sekundären Pflanzeninhaltsstoffe.
„Sekundär“ weil sie nicht zu den großen Gruppen der Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette gehören, sondern z. B. spezifische Schutzfunktionen für die Pflanze haben: Schutz vor UV-Strahlen, vor Schädlingen, vor Fressfeinden. Sekundäre Pflanzenstoffe geben den Pflanzen aber auch ihre Farbe, wirken als Duft-und Aromastoffe (Anlocken von pollenverbreitenden Insekten) oder als Pflanzenhormone.
Neuere Studien liefern Hinweise, dass sekundäre Pflanzenstoffe bzw. die Pflanze, die sie enthält, das Risiko für Entstehung verschiedener Krankheiten senken können (s. sekundäre Pflanzenstoffe).

Rundum gesunder Lebensstil

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Um den Stoffwechsel fit zu halten und für ein reibungsloses Transportsystem innerhalb unseres Körpers braucht der Mensch Wasser: 30 Milliliter Wasser pro Kilogramm Körpergewicht lautet die aktuelle Empfehlung. Eine 60 Kilo schwere Frau sollte demnach täglich mindestens 1,8 Liter trinken, ein 80 Kilo schwerer Mann benötigt 2,4 Liter Wasser täglich für einen reibungslosen Stoffwechsel.

Alkohol hat bekanntlich ebenfalls gesundheitliche Auswirkungen. Mäßig genossen, kann Alkohol das Risiko für die Entstehung einer rheumatoiden Arthritis reduzieren. Starkes Trinken führte hingegen in einer Untersuchung zu einer schneller fortschreitenden Gelenkzerstörung. Als akzeptable Alkoholmenge gelten zurzeit zehn Gramm Alkohol am Tag für gesunde Frauen sowie 20 Gramm für Männer. 20 Gramm Alkohol entsprechen etwa einem großen Glas (0,5 l) Bier oder einem Glas (0,25 l) Wein beziehungsweise Sekt.

Bei Rheumatikern, die nicht rauchen, wirken Rheumamedikamente besser als bei Rauchern. Rheumakranke Raucher brauchen daher mehr Medikamente. Außerdem tragen Raucher ein erhöhtes Risiko für eine rheumatoide Arthritis und andere chronisch entzündliche rheumatische Erkrankungen.

Auch bei vorschriftsmäßiger Mundhygiene ist das Zahnfleisch ein geeigneter Rückzugsraum für Bakterien, die die Mundschleimhaut passieren und die Immunabwehr mobilisieren können. Die Folge: Entzündungen des Zahnfleischs und im schlechtesten Fall auch des darunter liegenden Knochens. Studien haben einen Zusammenhang zwischen diesen Beschwerden und entzündlich-rheumatischen Prozessen belegt.

Stress verursacht nachweislich entzündliche Prozesse im Körper. In einer Stresssituation schüttet der Körper Hormone (Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol) aus, die uns eigentlich in die Lage versetzen, zu fliehen oder zu kämpfen. Bleiben wir jedoch auf unserem Bürostuhl sitzen, werden diese Hormone nicht ge- und verbraucht. Das empfindliche Gleichgewicht zwischen Hormonen und Immunsystem kann gestört und die Produktion von entzündungsfördernden Signalstoffen angekurbelt werden. Eine individuelle Stress-Bewältigungsstrategie hilft in vielen Fällen, diesen Faktor zu minimieren.

© flashpics - Fotolia.com

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Bewegung stellt eine der Strategien zum Stressabbau dar, denn sie ist die beste Möglichkeit, Stresshomone wieder abzubauen und verspannte Muskulatur zu lösen. Dazu sind keine Meisterleistungen nötig, sondern schon kontinuierliche kleine Anstrengungen im täglichen Leben helfen. Auch wenn für Rheumatiker manchmal schon die kleinsten Anstrengungen nicht praktikabel sind: Versuchen Sie dennoch, sich möglichst an der frischen Luft zu bewegen, um gleichzeitig Ihre Vitamin-D-Versorgung zu verbessern.

Gehen Sie einfach jeden Tag mit Ihrem Hund eine halbe Stunde spazieren – egal, ob Sie einen Hund haben oder nicht. Auch ein auf den Rheumatiker abgestimmtes, individuelles Kraft-Trainingsprogramm ist empfehlenswert, da sich neben dem Training von Muskelkraft und Beweglichkeit jede geeignete Bewegung auch positiv auf die Psyche auswirkt.

Gesundheit Essen

Eine anti-entzündliche wirkende Ernährungsweise entspricht einer modifizierten mediterranen Küche mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Kräutern, Salat, Obst, Fisch, Nüssen und wenig rotem Fleisch sowie gesättigten Fettsäuren (z. B. aus fetten Milchprodukten). Anders, als es in den Mittelmeerländern üblich ist, sollten Sie Olivenöl sparsamer verwenden und durch Rapsöl ergänzen. Auch bei Lebensmitteln, die aus einfachen Kohlenhydraten bestehen, sollten Sie sich zurückhalten, also bei Weißbrot, Pasta oder Reis (gilt nicht für die Vollkornvarianten).
Hier die Tipps aus dem Rationalisierungsschema für eine anti-entzündliche wirkende Ernährungsweise:

  • Maximal 2 Fleischmahlzeiten pro Woche, Wurst und Innereien vermeiden,
  • Maximal 2 Eigelb pro Woche, stattdessen Verwendung von Ei-Ersatzprodukten, 2 Seefischgerichte pro Woche,
  • Verzicht auf tierische Fette, stattdessen Verwendung pflanzlicher Öle und Fette,
    reich an Omega-3-Fettsäuren (Lein-, Raps-, Walnussöl etc.),
  • Täglich 0,5 Liter fettarme Milch oder die entsprechende Menge Milchprodukte u.
    calciumreicher Mineralwässer zur Optimierung der Calciumzufuhr (Osteoporoseprophylaxe),
  • Wenig Alkohol,
  • 5-mal am Tag Obst oder Gemüse, unter Bevorzugung von calciumreichen Gemüsesorten (grüne Blattgemüse), Nüssen und Vitamin-C-haltigen Obstsäften

 

Abgeändert publiziert in der  Zeitschrift mobil 4/2013