Anti-entzündliche Ernährung bei rheumatischen Erkrankungen

Die entzündungshemmende Ernährungsweise (Alle Diätetischen Antientzündlichen Maßnahmen (A.D.A.M.)) ist eine zusätzliche Maßnahme zur Behandlung der chronisch entzündlichen Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis. Sie ersetzt keinesfalls die medikamentöse (Basistherapie, Biologika) und chirurgische Therapie.

Studien haben allerdings gezeigt, dass eine Einsparung von Medikamenten, die nicht in das Krankheitsgeschehen eingreifen (NSAR, Glucocortikoide), sondern einen positiven Einfluss auf die Symptome (Schmerz, Schwellung) haben, durch die Umstellung auf eine anti-entzündliche Kost erreicht werden kann.

Bildnachweis: Prof. Dr. med. O. Adam

Bildnachweis: Prof. Dr. med. O. Adam

Als Beispiel soll hier eine Studie, die Professor Dr. med. Olaf Adam aus München durchgeführt hat, ausführlich beschrieben werden. 60 Patienten mit rheumatoider Arthritis wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt und erhielten entweder Fischölkapseln (900 mg Eicosapentaensäure (EPA)) oder ein Scheinmedikament (Placebo). Außerdem ernährte sich eine Gruppe arachidonsäuresarm, die andere Gruppe blieb bei ihren Ernährungsgewohnheiten.

Nach drei Monaten wurde gewechselt. Jetzt erhielten die Patienten, die zuvor mit Placebo behandelt worden waren, Fischölkapseln und die andere Gruppe Placebo. Durch die Behandlung mit den Fischölkapseln besserten sich sowohl unter der anti-entzündlichen Kost als auch unter den beibehaltenen Ernährungsgewohnheiten die schmerzhaften und geschwollenen Gelenke, die Griffstärke und die Entzündungsparameter.  Der Effekt war allerdings in der Gruppe, die sich arachidonsäurearm ernährte, merklich größer.

Eine Nachbeobachtung nach zehn Jahren an 20 Patienten ergab, dass die Arbeitsfähigkeit und die Alltagsfunktionen unter weiterhin reduzierter Arachidonsäurezufuhr (80 mg/Tag) erhalten blieb und der Entzündungsparameter C-reaktives Protein weiter abgefallen war. Damit wurde zum ersten Mal gezeigt, dass bei Patienten mit rheumatoider Arthritis die Umstellung auf die anti-entzündliche Ernährung den Langzeitverlauf der Erkrankung verbessern kann.

Wir wissen heute, dass die Atherosklerose / Arteriosklerose (Arterienverkalkung) auch mit einer Entzündung verbunden ist. Die der Atherosklerose zugrunde liegenden Mechanismen sind denen der rheumatoiden Arthritis sehr ähnlich. Dadurch wird auch erklärt, dass RA-Patienten doppelt so häufig unter dieser Gefäßerkrankung leiden wie die Allgemeinbevölkerung. Folglich sind auch die ernährungstherapeutischen Maßnahmen für beide Erkrankungen mehr oder minder gleich. Die anti-entzündliche Ernährungsweise ist also eine zusätzliche wichtige Ergänzung zur medikamentösen Therapie.

Im Idealfall sollte die Ernährungsumstellung direkt mit Einleiten der medikamentösen Behandlung einsetzen. Der Effekt setzt verzögert innerhalb von drei Monaten ein und verstärkt sich im Laufe der Zeit. In dieser Zeit können gegebenenfalls nichtsteroidale Antirheumatika (Beispiel Diclofenac, Ibuprofen) und auch Cortison eingespart werden, während die Basistherapie weiter geführt wird.

Hier die Zusammenfassung der anti-entzündlichen Ernährungsweise

  • Wenn Sie übergewichtig sind: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt und/oder Ernährungsberater über ein Programm zur Gewichtsreduktion.
  • Reduktion des Verzehrs von arachidonsäurereichen Lebensmitteln (zunächst ≤ 350 mg/Woche, später (≤ 560 mg/Woche, keine Wurst und Innereien, Vorsicht Eigelb!). Geflügel und Wild bevorzugen. Meiden Sie fettreiche tierische Lebensmittel wie Schweineschmalz, Schweineleber oder fettreiche Fleisch- und Wurstsorten.
    Nicht mehr als 2 Portionen Fleisch oder Wurst pro Woche
  • Fettzufuhr 30 bis 33 % der benötigten Energie. gesättigte Fettsäuren 7 bis 10 %, trans-Fettsäuren < 1 %, mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Omega-6 und Omega-3 Fettsäuren) 7 % bis maximal 10 %. Der Anteil der einfach ungesättigten Fettsäuren ergibt sich aus der Differenz der genannten Fettsäuren zum Gesamtfett.
    Das Verhältnis von Omega- 6 zu Omega-3 Fettsäuren sollte  kleiner als 5-3:1 sein.
    Verzehren Sie zweimal pro Woche Fisch, der reich an Omega-3-Fettsäuren ist (fetter Kaltwasserfisch: Makrele, Lachs,Hering & Co)
  • Verwenden Sie Raps-, Walnuss- und Leinöl (Omega-3-Fettsäuren) sowie Olivenöl
  • 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag (700 g) enthalten viele antioxidative Substanzen, Vitamine, Mineralstoffe und bioaktive Pflanzenstoffe
  • Verzehren Sie täglich fettarme Milch und Milchprodukte sowie Calcium-reiche Mineralwässer)

Darüber hinaus gelten die Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für eine vollwertige Ernährung: Vollwertig essen hält gesund, fördert Leistung und Wohlbefinden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse Regeln formuliert, die Ihnen helfen, genussvoll zu essen:

  • Essen sie vielseitig
  • Essen Sie reichlich (vollwertige) Getreideprodukte und Kartoffeln
  • Verwenden sie Zucker und Salz in Maßen
  • Trinken Sie rund 1,5 Liter Flüssigkeit pro Tag, bevorzugt Wasser
  • Bereiten Sie Ihre Speisen schmackhaft und schonend zu
  • Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Mahlzeiten
  • Achten Sie auf Ihr Gewicht und bleiben Sie in Bewegung

Literatur und Links:

  1. Langer H.E., Karger T.‚ Adam, 0., Arbeitskreis Ernährungsmedizin der DGRh
    Ernährungstherapie bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen in Schwerpunktpraxen: Die Aufgabe des Ernährungsmediziners
    Der Ernährungsmediziner (2010), 12, 1.
  2. Prof. Dr. med. Olaf. Adam:
    Diät & Rat bei Rheuma und Osteoporose Rezepte gegen Entzündung und Schmerz Aktualisierte Neuauflage 2010 Walter Hädecke Verlag, D-71256 Weil der Stadt
  3. Adam, O.:
    Bedeutung der Ernährung für die Entstehung und den Verlauf rheumatischer Erkrankungen. Ernährungsberatung in der Praxis. Schriftenreihe Fortschritte der klinischen Rheumatologie. State of the Art: Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit des Arbeitskreises Ernährungsmedizin in der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie Rheumatologie. Hrsg. Th. Karger, R. Hein. Abbott Immunology, Ratingen: Preuss 2007. ISBN 978-3-927826-60-1
  4. Carolin Schnurr, Sabine Pera, Olaf Adam
    Ernährungstherapie bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen Ernährungs-Umschau 57 (2010) S. 466–471 PDF
  5. Hu F. B. Bronner L., Willett W. C.:
    Fish and Omega-3-fatty acid intake and risk of coronary heart disease in women.
    JAMA 2002; 287:1815-21 Full Text
  6. Schnurr C., Adam O. :
    Langzeitergebnisse einer Ernährungsintervention bei Patienten mit rheumatoider Arthritis.
    Zeitschrift für Rheumatologie 2005; 64 (Suppl. 1) I/64-I/65