(Chronische) Entzündung

Chronische Entzündung - wie ein schwelendes Feuer © dmitrydesigner - Fotolia.com

Chronische Entzündung – wie ein schwelendes Feuer
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Eine Entzündung ist eine unspezifische lokale oder systemische Antwort des Immunsystems auf einen äußeren oder im Körper entstandenen Reiz oder eine Zellschädigung. Dabei kommt es zu einer Gefäßerweiterung und Ansammlung von Immunzellen im betroffenen Gebiet: Schwellung, Erwärmung, Rötung und Schmerz entstehen.

Schon Aulus Cornelius Celsus römischer Medizinschriftsteller (25 v. Chr. bis 50 n. Chr.) beschrieb die bis heute gültigen Entzündungszeichen: Tumor (Schwellung), Calor (Überwärmung), Rubor (Rötung), Dolor (Schmerz). Galenos von Pergamon, griechischer Arzt (129-216 n. Chr.), fügte als fünftes Merkmal die Funktionseinschränkung hinzu.

So furchterregend dieses Wort auch auf uns wirken mag: Die Entzündung ist zunächst ein lebenswichtiger Schutzmechanismus, der Infektionen, Fremdkörper, chemische und physikalische Reizungen u.a. bekämpft und die Heilung der entstandenen Verletzungen anstößt.

Hält diese Entzündungsreaktion jedoch weiter an, obwohl der ursprüngliche Auslöser längst beseitigt ist, beginnt das Dilemma. Die Entzündung wird chronisch und die überschießende Reaktion des Immunsystems kann sich schlechtestenfalls gegen Gewebe des Organismus wenden, der sie in Gang gesetzt hat. Eine Autoimmunerkrankung entsteht.

Eine chronische Entzündung muss sich nicht gleich bemerkbar machen, wie z. B. bei einer chronischen Bronchitis oder Nebenhöhlenentzündung. Sie kann auch zunächst lange Zeit ohne äußere Zeichen (subklinisch) schleichend verlaufen. Im Blut lassen sich zu diesem Zeitpunkt bereits sehr empfindliche Marker für die Entzündung nachweisen, wie das hoch sensitive (hs)-CRP.

Es erweist sich zunehmend, dass der „gemeinsame Nenner“ für viele chronische Erkrankungen diese subklinische chronische Entzündung ist, die lange nicht wahrgenommen wird, weil sie keine spürbaren Symptome hervorruft. So verwundert es nicht, dass zwischen Parodontitis und Herz-Kreislauferkrankungen, aber auch der rheumatoiden Arthritis Zusammenhänge in Form der Entzündung gesehen werden, die schon lange Jahre „im Geheimen“ gewirkt hat. Aber auch der Diabetes Typ 2, die Arthritis bei Schuppenflechte (Psoriasisarthritis), die Atherosklerose und der Morbus Alzheimer haben neben anderen Faktoren in der (subklinischen) chronischen Entzündung ihren gemeinsamen Ursprung.

Diese Erkenntnisse sind beileibe nicht neu: Schon der deutsche Pathologe Rudolf Virchow (1821 bis 1902) fand bei der Autopsie von Patienten mit Herzinfarkt auch entzündete Gefäße und machte die Entzündung für den Infarkt verantwortlich.

Ein relativ junges Forschungsgebiet sind die Autoinflammatorischen Erkrankungen, bei denen die Inflammasome die zentrale Rolle spielen. Das angeborene Immunsystem, von dem man bis vor kurzem annahm, dass es nur vor externen Feinden schützt, kann auch durch körpereigene Moleküle aktiviert werden. Zu diesen Danger-Associated Molecular Patterns (DAMPs) oder auch Alarminen gehören z. B. Cholesterinkristalle bei Atherosklerose, Harnsäuremoleküle bei Gicht, Glucose bei Diabetes Typ 2 und viele mehr.